Stationenweg 2021



Station 1: (Brunnen vor Kirche) Aschermittwoch – Verzicht und Fülle

Corona ist eine Zeit, die uns einschränkt, ohne dass wir das wollen. Viele Kontakte sind nicht mehr möglich, faszinierende und wichtige Termine entfallen, wir können keine Feste in grösseren Gruppen mehr feiern und nicht mehr in die Ferne reisen. Dieser erzwungene Verzicht tut weh und trocknet uns innerlich aus.

Dagegen gibt es Quellen, die unsern Durst stillen können. So wie dieser Brunnen, aus dem Tag und Nacht Quellwasser strömt, auch während der Corona-Krise.

Bibeltext: Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wer von diesem Wasser trinkt, den wird wieder dürsten; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt. (Johannes 4,13–14)

Hintergrund: 
Der Aschermittwoch ist in katholischen Gebieten der Beginn der Fastenzeit. Nach der ausgelassenen Fasnacht schränken sich die Menschen bewusst ein. Sie verzichten auf grössere Feste und auf Fleisch. Die Fastenzeit endet am Morgen des Ostersonntags.
Man könnte die Corona-Pandemie auch als Fastenzeit sehen, allerdings nicht freiwillig, sondern aufgezwungen. Diese Fastenzeit ist unangenehm, sie hat aber ein Ende. Gleichzeitig gibt es Quellen, die, von uns manchmal kaum beachtet, auch in der Fastenzeit fliessen. Die Fastenzeit könnte uns helfen, diese Quellen neu zu entdecken und unsern Durst stillen zu lassen.
Über diesen Durst spricht Jesus im zitierten Bibeltext mit einer Frau an einem Brunnen. Dabei zeigt er, wo und wie sie und wo wir diesen inneren Durst stillen können. Wir brauchen dazu nur etwas: den Wunsch, diesem Jesus am Brunnen zu begegnen.

Station 2: (Soldatenkreuz) Pandemien: Angst und Gelassenheit

Dieses Soldaten-Denkmal ist Zeuge der letzten grossen Pandemie – der Spanischen Grippe in den Jahren 1918–1920 mit 20 bis 50 Mio. Toten. Hier wird an die sechs Wehrmänner aus der Kirchgemeinde erinnert, die während des Ordnungsdienstes anlässlich des Landesstreikes im November 1918 ums Leben kamen (siehe Sockel rechts und links). Leider mussten wir auch in der Corona-Pandemie im Gebiet unserer Kirchgemeinde Todesopfer beklagen. Auch diese Pandemie löst Angst aus. Und das zu Recht. Diese Angst hilft uns, vorsichtig zu sein. Sie kann uns aber auch so einengen und blockieren, bis wir allen Mut verlieren. Hier wäre ein gesundes Mass an Gelassenheit hilfreich.

Bibeltext: «Dies habe ich mit euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.» (Johannes 16,33)

Hintergrund: 
Jesus spricht hier mit seinen Jüngern, mit Menschen also, die sich entschieden haben, mit ihm unterwegs zu sein. Auch sie werden nicht von Angst verschont. Jesus lässt sie aber mit ihrer Angst nicht allein. Er ist stärker als alles, was ihnen und uns Angst machen kann. Somit kann neben der Angst auch eine zweite Kraft in uns wachsen: ein Friede, der unsere menschlichen Möglichkeiten übersteigt. Dieser Friede hilft uns, die Ängste loszulassen. Er schafft Gelassenheit zu vernünftigem Handeln – mitten in der Krise.

Station 3: (Primarschulhaus) Die Coronaregeln und die zehn Gebote

Seit Beginn der Pandemie gibt es verschiedene Massnahmen, Regeln und Verbote, die von allen eingehalten werden sollten. Diese Massnahmen haben das Ziel, das Coronavirus einzudämmen. Wenn nötig, werden die Regeln durch die Behörden immer wieder angepasst. Als Folge davon fühlen wir uns eingeschränkt und nicht mehr frei. Sie wollen aber uns und unser Leben schützen. Im ersten Teil der Bibel, im Alten Testament, ist von den zehn Geboten die Rede (siehe 2. Mose 20/5. Mose 5). Im neuen Testament greift Jesus das Thema der Gebote wieder auf. Als er gefragt wird, welches das wichtigste Gebot sei, fasst er diese Regeln ganz kurz zusammen.

Bibeltext: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe und deinem ganzen Verstand! Dies ist das grösste und wichtigste Gebot. Ein zweites ist ebenso wichtig: ‹Liebe deine Mitmenschen wie dich selbst!› Mit diesen beiden Geboten ist alles gesagt, was das Gesetz und die Propheten fordern. (Matthäus 22,37–40)

Hintergrund:
Die zehn Gebote zeigen, wie wir uns gegenüber Gott und unseren Mitmenschen verhalten sollen. Auch diese Gebote können als Einschränkung empfunden werden. Doch Gott gab sie dem Volk Israel als Leitlinien und Schutz, damit das Zusammenleben gut gelingen konnte. Diese Gebote sind auch für die Menschen im neuen Testament und bis zu uns heute hilfreich. Die zehn Gebote können im dreifachen Gebot der Liebe zusammengefasst werden: Es geht darum, dass wir Gott, die Nächsten und uns selbst lieben.

Station 4: (Friedhof) Tod und Trauer nicht verdrängen

Die Pandemie hat bisher viele Menschenleben gefordert. Während bei den einen Menschen das Virus nur milde Symptome hervorbringt, ringen andere mit dem Tod. Durch die Coronakrise wird uns die Vergänglichkeit unseres Lebens vor Augen geführt. Sie gilt für uns alle, mit oder ohne Pandemie. Mit dieser Zukunft zu leben, ist nicht einfach. Wir wurden von Gott aber nicht geschaffen, um schon bald wieder zu sterben. Der Tod wurde durch uns Menschen verursacht. Der Apostel Paulus drückt es so aus:

Bibeltext: Die Sünde kam durch einen Menschen in die Welt – Adam. Als Folge davon kam der Tod, und der Tod ergriff alle, weil alle sündigten. (Römer 5,12)

Hintergrund:
Was von Adam gesagt wurde, gilt für alle Menschen: Wir tun nicht immer das, was in den Augen Gottes gut ist für uns und für andere Menschen. Unser Tod ist seit Adam mit diesen falschen Wegen (Sünden) verknüpft, ob wir das wollen oder nicht. Deshalb müssen wir mit unserm Tod und dem Tod von anderen Menschen rechnen. Allerdings hat Gott an Karfreitag einen Ausweg aus dieser Sackgasse geschaffen (siehe: 6. Station).

Station 5: (Waldrand) Gott in der Schöpfung erspüren

Corona hat unser Leben in vielerlei Hinsicht eingeschränkt. Wir verbringen mehr Zeit zu Hause, als dies normalerweise der Fall ist. So kann es vorkommen, dass uns fast die Decke auf den Kopf fällt. Gott sei Dank haben wir die Möglichkeit, uns draussen in der Natur zu bewegen und dabei die schöne Landschaft oder den Wald zu geniessen. Vielleicht können wir gerade hier die Spuren des Schöpfers entdecken.

Bibeltext: Denn was Menschen von Gott wissen können, ist ihnen bekannt. Gott selbst hat ihnen dieses Wissen zugänglich gemacht. Weil Gott die Welt geschaffen hat, können die Menschen sein unsichtbares Wesen, seine ewige Macht und göttliche Majestät mit ihrem Verstand an seinen Schöpfungswerken wahrnehmen. (Römer 1,19–20)

Hintergrund:
Gemäss der Bibel können wir Gottes Existenz tatsächlich bereits in der Schöpfung erkennen und erspüren. Eine Gottesbegegnung draussen in der Schöpfung kann uns in dieser schwierigen Zeit Trost und Zuversicht schenken.

 

Station 6: (Gumi-Findling) Karfreitag – Ist Corona eine Strafe Gottes?

Die Corona-Pandemie wird manchmal als Strafe Gottes bezeichnet. Sie sei eine göttliche Strafe für all das Schlechte, das in unserer Gesellschaft läuft. Tatsächlich läuft vieles falsch in unserm Leben und unserer Gesellschaft. Die Gesellschaft hat sich von göttlichen Werten entfernt. Vielleicht haben auch wir Gott aus unserm Leben verdrängt. Wahrscheinlich gäbe es genügend Gründe für eine Bestrafung der Menschheit. Der Karfreitag ist ein wichtiges Ereignis innerhalb der Passionszeit. Der Gumi-Findling erinnert an die Schädelstätte (deutsch für «Golgatha»), auf der Jesus, der Sohn Gottes, gekreuzigt wurde. Dieser Tod durchkreuzt alles.

Bibeltext: Aber er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. (Jesaja 53,5)

Hintergrund:
Hier wird der Tod von Jesus prophetisch als stellvertretende Strafe gedeutet. Nicht wir werden also bestraft, sondern Gott nimmt diese Strafe auf sich, an unserer Stelle. Gott will uns nicht mit Bestrafung gefügig machen, sondern mit seiner Liebe für sich und seine Anliegen gewinnen. Seit Karfreitag gilt: Liebe und Gnade statt Strafe. Deshalb ist Corona keine Strafe Gottes. Corona ist aber sicher ein Reden Gottes. Wir sind eingeladen, auf dieses Reden zu hören und eine Antwort zu geben. Wenn wir auf das Angebot von Karfreitag eingehen, hat das auf uns eine heilende Wirkung. Und wir können ein Stück weit heilend auf andere Menschen und auf unsere Gesellschaft einwirken.

 

Station 7: (Höheweg 10) Ostern – Der Tod hat nicht das letzte Wort

Die Coronakrise erinnert uns daran, dass das Leben in dieser Welt begrenzt ist und nicht ewig dauert. Zur Frage, ob es ein Leben nach dem Tod gibt und wie dies genau aussehen wird, gibt es unterschiedliche Vorstellungen. Gemäss der Bibel wurde Jesus Christus am Ostermorgen als Erster vom Tod zum Leben auferweckt. Der Apostel Paulus greift diese Tatsache auf und verbindet sie mit unserm Leben nach dem Tod.

Bibeltext: Denn da durch einen Menschen (Adam) der Tod gekommen ist, kommt auch durch einen Menschen (Jesus) die Auferstehung der Toten. (1. Korinther 15,21)

Hintergrund:
So wie es eine Verknüpfung gibt zwischen unseren falschen Wegen (Sünden) und dem Tod, gibt es eine Verknüpfung zwischen dem richtigen Weg, der uns von Jesus, dem Sohn Gottes, vorgelebt worden ist und der Überwindung des Todes. Dieser Zusammenhang wird u.a. in Johannes 11, Verse 25 und 26 erklärt. Jesus spricht: «Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt; und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben.»

 

Station 8: (Ölbergli) Auffahrt – Abstand

Seit Corona gilt ausserhalb der engsten Familie: Umarmen und Küssen verboten! Und: Mindestens anderthalb Meter Abstand halten! Dieses «Social Distancing» gehört zu den unangenehmsten Folgen der Pandemie. Es macht unsere Beziehungen künstlicher und kann Entfremdung bewirken. Mit diesem Abstand wollen wir einander vor Ansteckung schützen. Dabei wäre doch gerade in Krisenzeiten eines wichtig: die Nähe zueinander. Eine noch viel radikalere Art des «Social Distancing» erlebten die Jünger von Jesus an Auffahrt. Gleichzeitig versprach Jesus ihnen eine ganz neue Qualität von Nähe.

Bibeltext: Aber ihr werdet mit dem Heiligen Geist erfüllt werden, und dieser Geist wird euch die Kraft geben, überall als meine Zeugen aufzutreten: in Jerusalem, in ganz Judäa und Samarien und bis ans äusserste Ende der Erde. Während er das sagte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben. Eine Wolke nahm ihn auf, sodass sie ihn nicht mehr sehen konnten. (Apostelgeschichte 1,8–9)

Hintergrund:
Jesus, der Sohn von Gott, lebte rund 30 Jahre wie ein Mensch unter den Menschen im Gebiet des heutigen Israel, drei Jahre davon in einer Lebensgemeinschaft mit seinen Jüngern. Vierzig Tage nach Ostern führte er sie auf den Ölberg. Er kehrte zurück zu seinem Vater im Himmel und liess sie alleine zurück. Er versprach ihnen aber den Heiligen Geist als Kraft, Trost und als Wegweiser in die Zukunft. Von nun an sollten sie andere Menschen mit dem Glauben an Gott anstecken. Er würde durch den Heiligen Geist bei ihnen bleiben – bis er am Ende der Zeiten wieder zurückkommt. Nach dem ersten Schock und einer zehntägigen Zeit des Wartens erlebten die Jünger an Pfingsten die neue Nähe Gottes durch den Heiligen Geist. Und den Start von dem, was wir heute als Kirche bezeichnen.

 

Station 9: (Raum der Stille in der Kirche) Pfingsten – Eine neue Gemeinschaft entsteht

Wegen Corona dürfen sich nur noch wenige Menschen gleichzeitig versammeln. Dies gilt nicht nur für öffentliche Veranstaltungen, sondern auch für private Treffen. Für viele Menschen sind diese Einschränkungen schwierig. Besonders Menschen, die alleine leben, sind gefährdet zu vereinsamen. Andererseits haben sich Menschen zusammengeschlossen und sind in dieser Krise aktiv geworden. Sie haben kreative Ideen entwickelt, um mit dieser Krise möglichst gut umgehen zu können. Nach dem Schock der Auffahrt von Jesus zogen sich die Jünger von Jesus 10 Tage lang zum Beten zurück. Erst an Pfingsten wagten sie sich wieder an die Öffentlichkeit. Plötzlich wurden sie vom heiligen Geist erfüllt, der in ihnen ganz neue Fähigkeiten weckte. Petrus erklärte den Menschen, was an Karfreitag und Ostern geschehen war. In der Folge entstand in Jerusalem die erste christliche Gemeinde.

Bibeltext: Die nun sein Wort annahmen, liessen sich taufen; und an diesem Tage wurden hinzugefügt etwa dreitausend Menschen. Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet. (Apostelgeschichte 2,41–42)

Hintergrund:
Als vor 2000 Jahren in Jerusalem das jüdische Erntedankfest gefeiert wurde und sich viele Menschen in Jerusalem versammelt hatten, geschah, was Jesus vorausgesagt hatte. Der Heilige Geist, der Stellvertreter Jesu, erfüllte die Anwesenden und die erste Kirche entstand. Mit oder ohne Corona gilt auch für uns: Wenn wir an Jesus Christus glauben und ihm vertrauen, gehören wir zu ihm und damit auch zur weltweiten Kirche.



Berichterstattung Presse

Artikel im Thuner Tagblatt vom 16. Feb. 2021

Ruf in die Woche auf Radio SRF 1 vom 16. Feb. 2021

Artikel auf Bern Ost vom 17. Feb. 2021

Artikel von Idea Schweiz vom 17. Feb. 2021

Beitrag von Radio Life Channel vom 17. Feb. 2021

Berner Landbote vom 24. Feb. 2021

Artikel auf Livenet.ch vom 17. März 2021

Wochen-Zeitung vom 25. März 2021

Schweizer Radio SRF, Regionaljournal BE FR VS vom 3. April 2021